Robert Kohlhuber über die Arbeit bei einer der größten Stockagenturen der Welt


© Robert Kohlhuber – iStockphoto

iStockphoto wurde im Jahre 2006 für 50 Millionen US-Dollar durch Getty Images übernommen, der größten Bildagentur-Gruppe der Welt. Seitdem ist der Bekanntheitsgrad von iStockphoto, einer Bildagentur die lizenzfreie Bilder zu Dumpingpreisen anbietet, enorm gestiegen. Seit 2005 arbeitet Fotograf Robert Kohlhuber aus München für die Bildagentur.

 

Florian: Wie bist Du zu deiner Karriere bei iStockphoto gekommen?

Robert: Ein Studienkollege erzählte von einer Bildagentur, auf deren Website man seine Fotos hochladen kann. Mit etwas Glück verdient man dabei vielleicht ein paar Dollar und das habe ich gleich ausprobiert. Am Anfang waren es auch nur wenige Einnahmen, aber es ist dann mit der Zeit immer mehr geworden. Meine Karriere bei iStockphoto ist sozusagen während dem Studium nebenbei entstanden.

 

Florian: Du arbeitest auch für Getty Images – wie unterscheiden sich die beiden Bildagenturen voneinander?

Robert: iStockphoto zählt zu den Microstockagenturen, dass heißt sie haben eher günstige Preise, eine größere Anzahl an Bildern und einen weniger exklusiven und bekannten Kundenkreis, dafür ist aber die Anzahl der Verkäufe höher. Bei Getty Images ist das Gegenteil der Fall. Sie haben als sogenannte Macrostock Agentur weniger Bilder im Angebot, dafür zu wesentlich höheren Preisen und einen exklusiveren Kundenkreis mit teilweise sehr bekannten Firmen, aber dafür verkauft man seine Bilder nicht so oft. Ebenso können Kunden von Getty Images mehr Rechte beim Bildkauf erwerben, als bei iStockphoto und damit haben diese mehr Möglichkeiten das Bild zu verwenden. Von den Fotomotiven und Bildstilen unterscheiden sich die beiden Bildagenturen nur wenig. iStockphoto bietet mehr künstlerisches Material an, während Getty Images eher Print orientiert ist, d.H. zum Teil auch aktuelle Bilder für den Magazin- und Zeitungsdruck anbietet.

 

Florian: Welche Aufgabe erfüllst Du als Inspektor?

Robert: Als Inspektor bei iStockphoto kontrolliere ich die von anderen Fotografen hochgeladenen Fotos, vor allem auf den technischen Aspekt. Das heißt, ob z.B. die Qualität, die Auflösung, Schärfe, Belichtung und Farbgebung von jedem Bild stimmt. Aber ich achte auch auf die Komposition, auf den Aufbau des Bildes und ob es insgesamt eine stimmige Aufnahme ist. Des Weiteren überprüfe ich die Keywords – die Schlüsselwörter – die man zu jedem Foto angibt, ob diese das Bild auch gut repräsentieren. Dadurch wird sicher gestellt, dass die Suchmaschine bei iStockphoto das Bild bei Eingabe der richtigen Suchbegriffe auch findet. Bei jedem Foto auf denen Menschen abgebildet sind verlangen wir einen Modell Release Vertrag vom Fotografen, den dieser ist eine gesetzliche Grundvoraussetzung und stellt sicher, dass die abgebildeten Personen ihre Einwilligung zur Veröffentlichung und zum Verkauf der Fotos gegeben haben. Das sind die vier Hauptbereiche die ich als Inspektor kontrolliere.

 

Florian: iStockphoto bietet Abermillionen von Bildern an – ist nicht jedes Genre zu genüge fotografiert worden und der Markt längst übersättigt?

Robert: Es gibt in der Tat viele Bereiche die bereits übersättigt sind wie zum Beispiel das Thema “Business”, “Familie” oder “Tiere”. In diese Bereiche einzusteigen ist nicht unmöglich, aber es ist extrem schwierig dort gute Verkäufe zu erzielen. Die alten, sich gut verkaufenden Klassiker sind bei den Suchergebnissen meist vorne gereiht und mit neuen Fotos nur schwer zu verdrängen. Zwar ändert sich die Reihung der Suchergebnisse regelmäßig, aber es gibt eine gewisse Tendenz, dass Kunden lieber zu bereits mehrfach verkauften und etablierten Bildern greifen. Ebenso dürften exklusive Fotografen auf iStockphoto bei den Suchergebnissen einen Tick besser gereiht werden als die nicht exklusiven.

Eine gute Idee ist auch sich eine Themenliste anzulegen mit Fotos, die noch kaum bei den Bildagenturen zu finden sind. Ein neues Projekt von mir ist z.B. zurzeit die Luftfotografie, sprich Fotos die aus der Luft aufgenommen werden, weil diese noch sehr wenig bei iStockphoto und generell im Stockbereich angeboten werden.

 

Florian: Bei einer so gewaltigen Auswahl an Fotografien, lässt sich da noch ein Geschäft für den einzelnen Fotografen machen?

Robert: Am besten man spezialisiert sich auf ein Gebiet welches noch wenig vertreten ist und das einem persönlich interessiert. Meistens fotografiert man dann auch besser und die Arbeit macht einem noch mehr Spaß. In der guten Auswahl eines Themenbereichs sehe ich daher die größte Chance auf Erfolg in der Stockfotografie. Die üblichen Themengebiete sind fast schon zu 100% abgedeckt. Vor rund sechs, sieben Jahren, als ich mit der Stockfotografie begonnen habe und diese noch in den Kinderschuhen steckte, war es wesentlich leichter die gängigen Bereiche aufzufüllen. Mittlerweile ist iStockphoto als Agentur ziemlich bekannt geworden und sehr viele Fotografen verkaufen ihre Bilder dort.

 

Florian: Hast Du dich durch deine Arbeit für iStockphoto finanziell unabhängig machen können?

Robert: Ja, doch! Dieses Ziel habe ich Ende 2008 erreicht und mich selbstständig gemacht.

 

Florian: Welche besonderen Vorteile in deiner Arbeit genießt Du als Fotograf für die Bildagentur?

Robert: Als selbstständiger Stockfotograf habe ich keinen direkten Auftraggeber der mir sagt was ich zu tun habe. Dadurch genieße ich alle kreativen Freiheiten und fotografiere nur die Themen die mir gefallen und die mich wirklich interessieren. Ich kann mir alles selbst einteilen wie ich es mir vorstelle, und das ist für mich der größte Vorteil gegenüber einem “normalen” Fotografen der auf seine Auftragsarbeiten angewiesen ist. Außerdem kann man seine Zeit freier einteilen und z.B. interessante Fotoreisen unternehmen, welche wiederum Material für die Stockagenturen liefern.

 

Florian: iStockphoto zahlt jedem Fotografen 15% pro Datei die von einem Kunden herunter geladen wurde. Bei durchschnittlichen Beträgen von 10 Euro pro Bild sind das 1 Euro und 50 Cent für den Künstler … Ist das nicht Abzockerei?!

Robert: 15% ist die Anfangsbeteiligung bei iStockphoto, die ein nicht exklusiver Fotograf bekommt der neu zu iStockphoto hinzugestoßen ist bzw. wenn er noch nicht so viele Bilder verkauft hat. Diese Beteiligung wird in verschiedene Stufen unterteilt und lässt sich durch die erzielten jährlichen Verkäufe erhöhen. D.h. je mehr Fotos der Fotograf im Vorjahr verkauft hat, desto höher ist die prozentuelle Beteiligung für das laufende Jahr. Vor allem als exklusiver Fotograf kann man sich deutlich auf bis zu 45% Beteiligung steigern. Ein nicht exklusiver Fotograf kann maximal 20% erreichen.

 

Florian: Der große Unterschied zwischen exklusivem und nicht exklusiven Mitglied?

Robert: Der größte Unterschied ist die eben erwähnte Beteiligung pro verkauften Bild. Nicht exklusive Fotografen die ihre Bilder auf iStockphoto hochladen sind nicht so gut vergütet wie exklusive Fotografen. Als exklusiver Fotograf wird man auch besser von iStockphoto vermarktet. Zum Beispiel gibt es die Chance als exklusiver Fotograf für das “Image of the Week” und das “Free Image of the Week” ausgewählt zu werden, welche beide auf der Startseite von iStockphoto in einem jeweils großen Bereich angezeigt werden. Beide werden dann eine Woche lang im Startbereich der Website online gestellt. Ich bin schon mehrmals für beide Bereiche ausgewählt worden und das hat mir vor allem beim ersten Mal einen enormen Boost an Verkäufen und Aufmerksamkeit verschafft. Diese Art von Promotion ist aber nur exklusiven Fotografen von iStockphoto vorbehalten. Ebenso hat man Zugang zu den teureren Premium Preiskategorien bei iStockphoto, bei denen man für seine hochgeladenen Fotos auch höhere Einnahmen erzielt und welche in den Suchergebnissen weiter vorne gereiht sind.

 

Florian: Sobald ich Mitglied bei der Agentur bin, was passiert mit meinen Bildrechten? Darf ich meine Werke noch an andere Bild-Agenturen wie zum Beispiel “Corbis”  anbieten?

Robert: Das ist nur möglich wenn man nicht exklusiver Anbieter bei iStock ist. Dann kann man die Bilder bei jeder anderen Agentur hochladen wo man möchte. Sobald man exklusiver Fotograf ist, darf man die Bilder nur noch bei iStock und Getty Images hochladen, da diese beiden Firmen mittlerweile fusioniert sind und zusammen arbeiten. Ich habe mich damals für die Exklusivität bei iStock entschieden, nachdem ich rund sieben verschiedene Agenturen auf ihre Funktionalität und Verkaufsmöglichkeiten ausgetestet hatte. Dabei kristallisierte sich für mich heraus, dass bei iStockphoto die Verkäufe am besten waren und das iStock die einzige Agentur mit einer guten Community war. Ein bis zweimal im Jahr gibt es ein weltweites Treffen von iStockern, so nennen sich die Leute die für iStock fotografieren, bei denen ich schon einige Male teilgenommen habe. Es ist schon sehr nett die Menschen einmal persönlich kennen zu lernen, die man sonst nur über ihre Arbeiten im Internet zu sehen bekommt. Für mich ist das eine sehr coole Sache und das kenne ich so von anderen Agenturen nicht. Als exklusives Mitglied darfst du natürlich weiter die eigenen Fotos für deine Zwecke, wie zum Beispiel zur Repräsentation auf deiner Webseite oder deinem Portfolio verwenden. Nur der gezielte separate Verkauf wie zum Beispiel als Druck, oder digital auf der eigenen Webseite geht nicht, wenn das Fotos schon auf iStock online ist.

 

Florian: Gibt es eine Geheimformel für ein sich gut verkaufendes Bild?

Robert: Hmm, eine Geheimformel oder einen Zaubertrick für höhere Verkaufszahlen gibt es nicht. Wenn ein Foto technisch gut umgesetzt, von der Komposition spannend und das repräsentiert was zur Zeit gebraucht wird, hat es sehr gute Verkaufschancen. Zu Beginn meiner Karriere bei iStockphoto habe ich gelesen, dass die Farbe Blau sehr effektiv für Stockfotos ist da sie so starke Konzepte wie Freiheit, Zukunft und Technologie verkörpert. Aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen.

 

Florian: Dein bestes Bild ist wie viele Male herunter geladen worden?

Robert: Inzwischen ca. 3500 mal.

 

Florian: Und welches deiner Lieblingsbilder ist ein unerwarteter Ladenhüter geblieben?

Robert: Da gibt es schon ein paar (lacht). Meistens sind es Portraits die mir sehr gelungen sind und auf die ich sehr stolz bin. Teilweise haben sich diese jedoch nicht besonders gut verkauft.

 

Florian: Viel Erfolg bei deiner kreativen Arbeit und danke für das Gespräch!


© Robert Kohlhuber – iStockphoto

Fotograf Robert Kohlhuber auf iStockphoto:  www.istockphoto.com/Roob

 

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Florian Divi und Fotograf Claudius Schulze haben den Workshop “My Photographs – My Money?!” erarbeitet. Er soll jungen Fotografen die Möglichkeit bieten, Einblicke für Marketing im Web 2.0, Crowd-Funding, das Herantreten an Verlage, Copyright or CC etc. zu bekommen und direkt Fragen an den Fotografen zu stellen.


Aktueller Workshop “My Photographs – My Money?!”  mit Claudius Schulze,
und auch auf Facebook!



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